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Bresser und Springenberg Copyright Sabina Przybyla

©Sabina Przybyla

Michael Bresser und Martin Springenberg sind Autoren, die „saukomische“ Krimis schreiben.

Martin Springenberg ist waschechter 68er. Als Teilnehmer diverser Antiaggressionskurse weiß er, wovon er schreibt.

Ich musste grinsen, als ich das las. Wahrheit oder Lüge, das frage ich mich. :-)

MARTIN SPRINGENBERG:
Natürlich alles wahr: Ich bin am 4. April 1968 geboren, mehr 68er geht also nicht. Auch die Haarpracht in jüngeren Jahren unterstreicht diese Aussage. Wie Michael später ausführen wird, waren die Antiaggressionskurse eng verknüpft mit den frustrierenden Erfahrungen im Rockbandbusiness, die letztendlich dann leider auch zum Haarausfall geführt haben. Heutzutage bin ich ein friedlicher Mensch, der keiner Fliege was zu Leide tun kann, zumindest real. In den Romanen muss natürlich schon der eine oder andere dran glauben.

Michael Bresser wurde 1971 in Gladbeck geboren. Nach einem Germanistik- und Philosophiestudium in Essen sowie einem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Cardiff / Wales merkte er, dass er der Droge Literatur verfallen war.

Du hast u.a. Germanistik- und Philosophie studiert, wolltest du schon immer schreiben?

MICHAEL BRESSER:
Ich habe schon immer viel gelesen. Zum Schreiben sind wir eher aus Frust gekommen. Martin und ich haben zusammen in einer Rockband gespielt. Das hat einerseits viel Spaß gemacht, andererseits viel Ärger. Die anderen Bandkollegen sind ohne Absage nicht zu den Proben gekommen oder haben sich nicht an der Miete beteiligt. Da haben wir uns irgendwann gesagt: Wir müssen uns ein Hobby suchen, woran nur wir beide beteiligt sind. Bildende Kunst war nicht unser Ding, da sind wir aufs Schreiben gekommen. Weil wir beide gerne Krimis lesen, kamen wir auf die Idee, gemeinsam einen Krimi zu schreiben. Dem ersten folgten rasch weitere Bände der Serie, die mittlerweile von Ullstein herausgegeben werden.

Leitest du immer noch Literaturworkshops?

MICHAEL BRESSER:
Wir haben mehrere Workshops in Planung. Wann diese stattfinden, kann ich noch nicht sagen. Meine Frau bietet diverse Seminare für Professionelles Schreiben und PR an. Für kreatives Schreiben bieten wir am 15.11. den Workshop „Die Geschichteninsel“ an. Das wird eine zauberhafte, überraschende Veranstaltung für Jung und Alt an einem geheimen Ort (Nähe Hannover). Nächstes Jahr wollen wir wieder eine gemeinsame Veranstaltung organisieren.

Du trittst auch bei Poetry-Slams auf. Kommst du dazu jetzt auch noch?

MICHAEL BRESSER:
Warum nicht? Ich schreibe in der Regel allerdings lieber längere Texte. Beim Poetry-Slam musst du aber in 7 Minuten fertig sein. Das ist oft problematisch. Ansonsten ist es ein Riesenvergnügen, da ich bei einem Slam vor hundert bis zweihundert Leuten lesen darf. Zu normalen Lesungen kommen wesentlich weniger. Das euphorisiert.

Hellseher, Stuntman und Verwandlungsfähigkeit als Chris-Isaak-, Madonna- oder Billy-Idol-Double. Machst du das wirklich oder ist das eher humoristisch gemeint (ich frage mal so)?

MICHAEL BRESSER:
Lach. Seltsamerweise wird diese Frage selten gestellt. Die Vita ist schon eher humoristisch, hat aber auch einen kleinen wahren Kern. Zusammen mit einem Freund habe ich CDs mit Isaak-, Madonna-, und Idol-Covern aufgenommen. Wir haben die Lieder durch sämtliche Musikstile der Vergangenheit gejagt. Hellseher hat etwas mit meinem Interesse für spirituelle Phänomene zu tun. So habe ich Schamanismus-Seminare in Schottland und Ägypten besucht. Stuntman stimmt auch, da ich manchmal etwas tapsig und unfallaffin bin. :-)

Anmerkung Aveleen: Schamanismus-Seminare, wie spannend! In Schottland kann ich mir das sehr gut vorstellen, aber für Ägypten reicht in diesem Zusammenhang meine Phantasie nicht. :-)

Heute lebst du mit deiner Familie in Gladbeck und schreibt am Drehbuch zu "Schwein gehabt". Wer gehört alles zu deiner Familie und schreibst du allein oder mit Michael zusammen das Drehbuch zu „Schwein gehabt“?

MARTIN SPRINGENBERG:
Zu meiner Familie gehören eine wunderschöne Frau, Angela, zwei Kinder: Anabel (9 Jahre) und Ben (7 Jahre) sowie zwei Meerschweinchen. Nachdem unsere ersten drei Bücher sehr erfolgreich waren, fragt man sich natürlich irgendwann nach dem nächsten Schritt, und der lautet natürlich Kino respektive Fernsehen. Das Drehbuch wird natürlich von uns beiden verfasst, ist aber mehr Arbeit, als man zunächst angenommen hat.

Von dir findet man nicht viel auf euerer gemeinsamen Homepage. Möchtest du dich als Person eher bedeckt halten?

MARTIN SPRINGENBERG:
Ich bin einfach zu hässlich, als dass ich mich auf der Homepage zeigen möchte. Nein, im Ernst: Michael hat die Homepage komplett alleine gestaltet und ist richtig gut darin, wie man an den zahlreichen Klicks sehen kann. Da ist es fast schon zwangsläufig, dass Michael dort mehr im Fokus steht als ich.

Anmerkung Aveleen: Lege ein Veto zu hässlich ein!

Was war für dich in deinen Schreibworkshops die wichtigste Botschaft – aus deiner Sicht?

MICHAEL BRESSER:
Der Nike-Slogan: Just do it. Wir hatten Leute im Workshop, die noch nie einen literarischen Text verfasst hatten. Wir haben ihnen Werkzeug für aus unserer Sicht „gutes Schreiben“ an die Hand gegeben. Dann haben wir sie mittels einer Fantasiereise zur Quelle ihrer Inspiration geleitet. Anschließend wurde geschrieben. Es kommen dabei erstaunlich gute Texte heraus, die bei einer Preisverleihung ausgezeichnet wurden. Alles dient zu, den Menschen zu zeigen, dass jeder Geschichten zu erzählen hat. Mich selber versetzen meine Workshops auch einen wahren Schaffensrausch.

Bei all diesen Aktivitäten, bleibt dir da noch Zeit zum Lesen und wenn ja, was interessiert dich dann für Literatur? Was liest du zur Zeit?

MICHAEL BRESSER:
Ich habe wirklich relativ wenig Zeit zu Lesen. Meistens abends vor dem Schlafengehen. Mich interessieren hauptsächlich spannende und witzige Romane. Zurzeit lese ich viel Carl Hiaasen, einem Reporter vom Miami Herald, der zum Brüllen komisch alle Klischees auf die Schippe nimmt, die der Europäer von Amerikanern hat. Aber auch Alexander von Eisenhart-Rothes Indien Roman Golden Biker hat mich Tränen lachen lassen. Ein Buch voll skurriler Gestalten und Szenen.

Und wie ist es bei dir Martin?

MARTIN SPRINGENBERG:
Ich weiß nicht, ob es am Alter liegt, aber ich lese wieder verstärkt die Klassiker, wie zum Beispiel Thompson, Estleman oder Chandler. Sehr angetan bin ich von Jörg Juretzka, der einige wirklich brüllend komische Krimis zu Papier gebracht hat. Da ich aber immer noch sehr an Musik, und da insbesondere an Metal und Indie interessiert bin, lese ich aber auch viel Musikzeitschriften, z. B. Rock Hard, Zillo oder Underground-Fanzines. Zur Zeit lese ich Howard Browne, also ebenfalls einen Krimi-Klassiker.

Was liest du zur Zeit?

MICHAEL BRESSER:
Momentan lese ich von Stephen King Das Lesen und das Schreiben. Es ist tröstend zu wissen, wie schwer es selbst Stars wie King am Anfang ihrer Karriere hatten.

Wenn du verreist, wo reist du gerne hin?

MARTIN SPRINGENBERG:
In sehr guter Erinnerung geblieben sind mir Südafrika und die schottischen Highlands. Wenn die Kinder ein wenig älter sind, werden wir definitiv auch wieder dorthin reisen. Zur Zeit pendeln unsere Familienurlaube zwischen Meer (Ibiza, Nordsee) und Berge (Bayern, Österreich), wobei ich eher Anhänger der Berge bin.

Und du, Michael, wo reist du gerne hin?

MICHAEL BRESSER:
Provence und Betragne liebe ich wegen ihrer Leichtigkeit. Edinburgh mit seinen alten Häusern hat mich in eine andere Ära versetzt. Faszinierend. Als Jugendlicher fand ich Deutschland uncool. Heute können mich auch viele deutsche Landschaften begeistern. Harz oder die Oberpfalz sind nur zwei Beispiele für wunderschöne Landschaften.

Anmerkung Aveleen: Ach wie toll, die Oberpfalz, die nicht mit der Pfalz verwechselt werden sollte. :-) Ich komme aus der Oberpfalz, aus der Nähe des Altmühltals mit zwei der schönsten kleinen Städtchen – Berching und Beilngries.

Ihr schreibt gemeinsam. Wie muss man sich das bei euch vorstellen? Wie ist die Arbeitsteilung?

MICHAEL BRESSER:
Martin schreibt die Prügel-, ich die Sexszenen. Nein, das war Spaß. Wir entwickeln gemeinsam den Plot, entwickeln die grobe Handlung und legen Wendepunkte fest. Danach teilen wir die Kapitel auf. In der Regel schreibt der eine weiter, wenn der andere mit dem Vorkapitel fertig ist. Parallel zu schreiben ist schon eine Kunst an sich. Meistens müssen wir da viel korrigieren. Außerdem fallen uns meistens während des Schreibprozesses lustige Nebenhandlungen ein, die natürlich im weiteren Verlauf berücksichtigt werden müssen.

Schreibt ihr bereits an einem neuen Krimi? Wisst ihr schon, wie er heißen wird? Und dürft ihr schon ein wenig darüber verraten?

MICHAEL BRESSER:
Der vierte ist gerade fertig gestellt, der fünfte auch kurz vor der Vollendung. Den Namen haben wir noch nicht. Den legen wir gemeinsam mit dem Verlag fest. Der Arbeitstitel lautet Schweinekick. Detektiv Nannen nimmt an einem Benefizspiel teil. Der Kapitän der gegnerischen Mannschaft will ihn beauftragen und wird während des Gesprächs erschossen. Eine Sache der Ehre, den Mord aufzuklären. Dabei gibt es wieder jede Menge unterhaltsamer Nebengeschichten. So soll Nannens Freund Grabowski bei den Ermittlungen helfen, und schleppt sein Baby mit an. Keiner der Beiden hat Erfahrung mit Windeln wechseln oder Babys zu füttern. Eine große Herausforderung.

Wie viele Manuskripte musstet ihr versenden, bis euer erstes Buch bei einem Verlag angenommen wurde? Wie war der Vorgang?

MICHAEL BRESSER:
Das war ein langer Weg. Wir haben bestimmt dreißig bis fünfzig Manuskripte verschickt, die alle abgelehnt wurden. Dann haben wir einen Verlag gefunden, mit dem es aber auch nichts wurde. Die Geschichte findet man in meinem Roman Bestseller. Schließlich entschlossen wir uns, bei Books on Demand zu veröffentlichen. Unser Roman Schafe und Killer war dort sehr erfolgreich und stand viele Monate auf Platz 1 der BoD-Bestsellerliste. Da wurde Ullstein auf uns aufmerksam und bot uns einen Vertrag an.

Was ist schreiben für dich?

MICHAEL BRESSER: Schreiben ist mein Way of life, meine Art, die Welt zu begreifen. Was ich erlebe, denke ich weiter, übertreibe und verzerre es. Das macht Riesenspaß.

Die Sau und der Mörder

Hier finden Sie weitere Informationen:
Die Sau und der Mörder: Ein Münsterlandkrimi

In „Die Sau und der Mörder“ geht es um (lt. Amazon.de):

Vollblutprivatdetektiv Dieter Nannen hat sich im tiefen Münsterland einen bescheidenen Bauernhof hergerichtet. Doch das verschlafene Landleben hat es in sich: Der Dichter Hermann Grutz wird tot in seiner Wohnung aufgefunden. Als dann auch noch die attraktive Geliebte des Poeten tot in der Badewanne liegt, weiß Nannen, dass er es mit üblen Burschen zu tun hat. Wer verbirgt sich hinter den immer weiter auftauchenden Leichen und Verwicklungen? Nannen ermittelt in bekannt lässiger Manier ...

Wie kamt ihr auf die Idee zu „Die Sau und der Mörder“?

MICHAEL BRESSER:
Gerade im Internet gibt es viele Communities, in denen man die unterschiedlichsten Hobbyautoren antrifft. Die und die dort ausgeübte Kritik wollten wir persiflieren. Dabei haben wir einen realen Zirkel erfunden, bei dem ein Mitglied skurriler als das andere ist. Neid und Geltungsbedürfnis regieren die Geschicke der Serapionsbrüder. Ein guter Nährboden für brutale Morde und einen unterhaltsamen Krimi.

Ich bin sicher, dass ihr für „Die Sau und der Mörder“ eine ganze Menge recherchieren musstet. Ist euch bei den Recherchen etwas Überraschendes, Außergewöhnliches, Witziges passiert?

MICHAEL BRESSER:
Soviel recherchieren mussten wir eigentlich nicht. Die Vorbilder für die skurrilen Autoren kommen alle aus unserem Erfahrungsschatz. Natürlich haben wir alles überspitzt und verfremdet dargestellt, so dass sich keiner wieder erkennen kann. Ein Bekannter übersetzte z.B. Winnetou in Esperanto und verkauft die Downloads auf seiner Homepage zu horrenden Preisen. Da kam uns die Idee, dass Nannens Auftraggeber Xtra Vaganz Erotikromane in Esperanto übersetzen könnte. Eine andere Gestalt, den marxistischen Autoren, haben wir vor zwanzig Jahren auf einem Ostermarsch getroffen. Er verkaufte revolutionäre Romane und wollte, dass wir in seine Partei eintraten. Als wir darauf dankend verzichteten bezeichnete er unsere Eltern als reaktionäre Spießer, die ihre Söhne konterrevolutionär erzogen hätten.

Wie geht ihr an den Plot für "Die Sau und der Mörder“ heran?

MICHAEL BRESSER:
Zunächst hatten wir die Idee, einen Roman in der Autorenszene zu schreiben. Die musste natürlich den lokalen Gegebenheiten entsprechen, durfte also nicht besonders hip sein. Die Charaktere standen schon bald bildhaft vor uns. Anschließend haben wir den Mörder festgelegt, Fährten und falsche Spuren entworfen. Zudem Nebenfiguren kreiert. Dann ging es ans Schreiben. Danach erfolgte der anstrengendste, unangenehmste und zugleich wichtigste Teil des Schreibprozesses: Die Korrektur. Wir haben das Buch bestimmt fünf Mal Korrektur gelesen, Szenen gestrichen und verändert, Figuren ausgeschmückt. Dies ist manchmal hart, da wir nicht immer einer Meinung sind. Letztendlich kommt aber durch die Diskussion das bestmögliche Ergebnis für das Buch heraus. Bei „Die Sau und der Mörder“ hatten wir eine Szene im Roman, wo Nannen in der Buchhandlung seine Krimis im Regal entdeckt. Das fanden Martin und ich witzig, unser Lektor aber nicht. Da der fast immer mit seinen Änderungswünschen Recht hatte, haben wir die Szene eliminiert.

Könntest du uns ein Beispiel für deine ersten Überlegungen für die Handlung geben oder vielleicht auch ein Beispiel, warum du bei „Die Sau und der Mörder“ etwas erst in die eine Richtung schreiben wolltest, dich dann aber für eine andere Richtung entschieden hast?

MICHAEL BRESSER:
Leider oder Gott sei Dank nein. Wenn der Handlungsablauf erst einmal steht und von uns beiden für gut befunden wurde, behalten wir ihn grundsätzlich bei. Es kann natürlich vorkommen, dass wir während des Schreibens sagen: Es muss noch eine witzige Szene rein, oder es muss noch jemand sterben. Wenn ein Roman ausformuliert ist, erscheinen viele Dinge anders als in der Vorplanung. Da sind wir aber flexibel.

Anmerkung Aveleen: Cool, wie Autoren sagen dürfen: ... es muss noch jemand sterben. Klasse!!

Fallen dir Dialoge, Charaktere oder szenische Darstellungen leichter, fällt dir alles gleich leicht oder anders gefragt, magst du alles gleich gerne?

MICHAEL BRESSER:
Eigentlich alles gleich, da zu einem interessanten Roman alle Elemente gehören. Dialoge schreibe ich vielleicht am Liebsten, da sie durch kommunikative Absurditäten für viel Komik sorgen. Außerdem kann ich durch sie die Erzählung schneller machen.

Und dir Martin?

MARTIN SPRINGENBERG:
Bei mir macht es die Mischung aus, sonst würde es auch schnell langweilig werden. Meine Stärken sehe ich sicherlich darin, den Plot voranzutreiben und das Große Ganze im Blick zu behalten. Am Wichtigsten ist mir der Humor, sei es nun in Dialogen, in szenischen Darstellungen oder durch skurrile Charaktere.

Wie schafft ihr es, dass keine losen Fäden im Buch übrig bleiben?

MICHAEL BRESSER:
Wir notieren uns alle Nebengeschichten und achten darauf, sie zum Ende des Buches aufzulösen. Manche Fäden lassen wir aber bewusst liegen, da sie erst im nächsten Buch der Reihe aufgelöst werden. So bleibt eine gewisse Spannung über das Buchende hinaus, und die Leser greifen gerne zum nächsten Band.

Wie geht ihr an den Protagonisten Vollblutdetektiv Dieter Nannen heran?

MICHAEL BRESSER:
Dieter Nannen ist ein Vollblutmacho. Er hält sich für den schönsten und schlausten Mann auf Gottes Erdboden, gerät aber immer wieder in die größten Schlamassel. Das erweckt dann schon ein wenig Mitleid. Insgeheim ist er aber hilfsbereit und verlässlich und verbirgt hinter der großen Klappe ein weiches Herz. Seine Tätigkeit als Detektiv hat er autodidaktisch gelernt, deshalb geht er oft wenig professionell zu Werke. Aus diesen Charaktereigenschaften ergibt sich eine reizvolle Spannung. Obwohl Nannen weder als Mensch noch als Detektiv perfekt ist, möchte man ihn gerne zu einer Currywurst einladen, um ihn besser kennen zu lernen.

Würdest du uns dafür einfach mal ein Beispiel für die ersten Überlegungen zur Figur geben?

MICHAEL BRESSER:
Dieter Nannen sollte ein überzeugter Stadtmensch sein, der das Landleben hasst. Mit dieser Einstellung verpflanzten wir ihn in die westfälische Provinz und ließen ihn loslaufen. Natürlich biss er bei den Eingeborenen auf Granit und legte sich an seinem ersten Tag in Buldern mit der attraktiven Nachbarin Karin Schumann an. Ob das schlau war.

Zu dieser Konstellation hatte uns die Serie „Ausgerechnet Alaska“ inspiriert. Dort muss ein in New York verliebter Arzt sein Stipendium in Cissely, Alaska, abarbeiten. Eine grandiose Mischung aus Situationskomik, skurriler Charaktere, Slapstick, Philosophie und Weisheit. Eine ähnliche Mixtur schwebte uns damals auch vor, und da war die Figur des Dieter Nannens ein grundlegender Baustein.
Mittlerweile hat er sich allerdings akklimatisiert und eckt etwas seltener an. Aber der überzeugte Ruhrpöttler bricht immer wieder bei ihm durch.

Geht ihr zuerst monatelang mit der Geschichte schwanger und fängst dann zu schreiben an oder hast du alle Recherchearbeiten abgeschlossen, das Exposee ist fertig und du beginnst zu schreiben? Wie muss man sich das vorstellen?

MICHAEL BRESSER:
Meistens schwebt uns ein Anfang vor, ein guter Satz, der den Roman ins Rollen bringt. Dann kommt die Grundidee, das Milieu, in dem Nannen ermitteln soll. Anschließend schreiben wir ein grobes Exposé. Danach weben wir mit Worten und Sätzen fröhlich drauf los, erfinden Figuren und Situationen. Ein Kritiker unserer ersten Buches beschrieb dies ganz treffend: Opa Chandler hätte seine wahre Freude daran.

Wieso ich mit Zwei-Akkorde-Punk daherkomme? Privatdetektiv Nannen benimmt sich genauso, wie man es von ihm erwarten kann inklusive des schnoddrig-trockenen Erzählstils, in dem er von seinen Investigations berichtet - ein Vorzeigevertreter seiner Zunft. Wobei aber alles nicht so "sophisticated" und "cool" rüberkommt wie bei den amerikanischen Vorbildern, sondern etwas plakativ-comicartig vereinfacht, sozusagen weg von den orchestralen Aufbauten und Sprachgebilden der hohen (Kriminal-)Literatur hin zum fröhlichen wir-drehen-die-Schreibmaschine-ganz-laut-und-knallen-einen-Roman-hin.

Da wir bewusst keine lebenden Personen und reale Erlebnisse verarbeiten, benötigen wir relativ wenig Recherchezeit. Es ist uns einfach zu riskant, von Leuten, die sich in unseren Figuren wieder erkennen wollen, verklagt zu werden. Daher erfinden wir frei und fabulieren drauf los. Technische bzw. medizinische Sachverhalte prüfen wir natürlich nach, dies geschieht aber eher nebenbei.

Wie muss man sich einen Tag in deinem Leben vorstellen, wenn du an einem Roman arbeitest?

MICHAEL BRESSER:
Einsam, sehr einsam. Ich stehe zwischen sieben und acht auf, trinke einen Kaffee, schmeiße den Laptop und eine inspirierende CD an. Dann geht es los. Mittags esse ich zusammen mit meiner Frau, wenn es die Zeit erlaubt. Steffi besitzt eine erfolgreiche Agentur für Text und Vermarktung (www.ars-scribendi.com). Wir ergänzen uns. Steffi lässt mich ihre Texte lesen, umgekehrt ist sie der erste Kritiker meiner Bücher. Dabei motiviert sie und glaubt an mich, ansonsten wäre es oft schwierig, längere Romanprojekte durchzuziehen. Schließlich ist der Erfolg erst einmal ungewiss, und Selbstzweifel hat, glaube ich, jeder Autor.

Nach dem Essen geht es jedenfalls weiter. Diesmal mit grünem oder Yogitee. Meistens bis zum frühen Abend. Dann gehen wir essen oder besuchen ein nettes Konzert. Hannover hat kulturell viel zu bieten, da finden wir immer etwas, das uns anlacht. Das wäre ein idealer Schreib- und Arbeitstag. Aber wir haben noch einen Sechsjährigen Jungen, der natürlich seine Zeit beansprucht. Das macht auch viel Spaß. Und wir haben auch noch Jobs, um die Miete zu bezahlen. Die nehmen auch ihre Zeit in Anspruch.

Wo schreibst du am liebsten?

MICHAEL BRESSER:
Mein Favorit ist das Labtop auf meinem Schreibtisch. Mein Vater hat auch geschrieben. Kurzgeschichten und Gedichte. Es ist heute unvorstellbar, dass er seine Texte mittels einer mechanischen Schreibmaschine aufs Papier kloppen musste. Bei jedem Tippfehler wurde die Seite neu geschrieben. Da ist der Computer ein wirklicher Segen. Kürzere Texte z.B. für Poetry Slams schreibe ich aber manchmal auf Papier, am See, in den Leineauen oder im Café. Das sind inspirierende Orte, an denen die Worte fließen.

Hörst du auch Musik beim Schreiben und wenn ja, welche, oder brauchst du absolute Stille?

MICHAEL BRESSER:
Musik ist ein absolutes Muss bei mir. Ich kann allerdings nicht bei jeder schreiben. Gut geeignet für mich sind Johnny Cash, Bruce Springsteen, Hugo Race, Coldplay und ZZ Top. Rhythmisch komplexe Musik macht mich allerdings nervös. Auch Hard-Rock hat sich als schlechte Wahl erwiesen. Obwohl ich gerne härtere Musik höre, fällt mir dabei kein einziges Wort ein.

Welchen Tipp hättest du für angehende Autoren, die einen Krimi veröffentlichen möchten?

MICHAEL BRESSER:
Ich würde das Manuskript von jemandem korrigieren lassen, der etwas davon versteht. Enge Freunde oder Familienangehörige sind oft schlechte Ratgeber, da sie persönlich befangen sind. Entweder finden sie alles gut, oder alles schlecht, was du machst.

Von Absagen der Verlage würde ich mich nicht entmutigen lassen. Wenn du an dein Buch glaubst, bringe es selber heraus. Der Erfolg stellt sich dann automatisch ein. Ich habe eine mögliche Autorenkarriere in „Bestseller“ auf witzige Weise dargestellt. Der Roman enthält viel Autobiographisches (bis auf die Kontakte zum Rotlichtmilieu).

Vielen Dank, Michael Bresser und Martin Springenberg, für das Interview.

Kommenden Freitag stelle ich ein Interview mit Constanze Köpp online. Sie ist Autorin und arbeitet als „Wohnkosmetikerin“.

Viktoria hat "Bestseller“ und „Die Sau und der Mörder“ gewonnen!! Gratuliere. Danke fürs Mitmachen.

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