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Rebecca Abe hofft, dass sie auch im Schlaf ihre Protagonisten trifft. In ihrem Kopf ist Warum sie in Klausur ging und romanmäßig einen Blick in die Zukunft warf, verrät sie im Interview.

Wer mir eine Frage zum Interview beantworten kann und mir dazu eine E-Mail sendet, der kann „Das Labyrinth der Fugger“ gewinnen. Wie es geht? Das steht am Ende des Interviews.

Rebecca Abe Foto Copyright Susanne Rieder

Foto: © Susanne Rieder

Rebecca Abe ist Illustratorin und Schriftstellerin.

Rebecca Abe wurde 1967 in Starnberg geboren. Sie lebt mit ihrem Mann und drei Kindern am Starnberger See. Rebecca, du hast eine Ausbildung zur Grafikdesignerin gemacht. Wusstest du schon immer, dass du Grafikerin bzw. Illustratorin werden wolltest?

REBECCA ABE:
Die Malerei wurde mir sozusagen in die Wiege gelegt, weil mein Vater Maler ist. Aber er riet mir zu Grafikdesign und durch ein Praktikum in einem Kindergarten stand mein Berufswunsch fest: Illustratorin, mit dem Ziel eines Tages meine eigenen Geschichten zu bebildern.

Du hast drei Kinder, darf ich fragen ob es Jungs oder Mädls sind und in welchem Alter sie sind?

REBECCA ABE:
Zwei Mädchen, 20 und 18 Jahre alt, einen Jungen mit 11 Jahren.

Welche Hobbys hast du? – Falls dir dazu noch Zeit bleibt.

REBECCA ABE:
Stricken, Radfahren, Kino, aber die meiste Zeit male oder schreibe ich oder entwickele zusammen mit meinem Mann neue Geschichten.

Wo reist du gerne hin? Und was ist dir an einem Urlaubsort wichtig?

REBECCA ABE:
Ich reise am liebsten in die Fantasie, das mache ich mit Hilfe der Realität, die oft am fantastischsten ist. Dort sind mir Skurrilität und Abenteuerlust am wichtigsten.

Was liest du zurzeit? Und wenn du liest, welche Genres liest du am liebsten?

REBECCA ABE:
Gerade lese ich „Pfui Spinne, Watte, Knopf“ von Mareile Kurtz, 33 verrückte Geschichten über schräge Ängste, weil eine meiner zukünftigen Romanfiguren eine dieser Phobien haben wird. Ich lese am liebsten Krimis, Gegenwartsliteratur und Kinder- und Jugendbücher.

Wie viele Manuskripte musstest du versenden, bis dein erster Roman bei einem Verlag angenommen wurde? Wie war der Vorgang? Und wie kam es dann letztendlich zur Veröffentlichung?

REBECCA ABE:
Mein erster Roman „Das Gedächtnis der Lüge“ erschien in einem Kleinverlag. Kein größerer Verlag wollte das Manuskript, zweimal war es knapp davor, aber dann kam doch die Absage.

Was ist schreiben für dich?

REBECCA ABE:
Eine Möglichkeit, Geschichte zu verstehen, mein Leben zu begreifen und mich dabei noch gut zu unterhalten.

Wolltest du schon immer schreiben?

REBECCA ABE:
Ich hab’s einfach gemacht, als ich es gelernt hatte. Schon als Kind habe ich Geschichten geschrieben. Sowas zum Beruf zu tun, schien mir aber zu schwierig. Romane waren für mich immer ein „nicht von Menschen gemachtes Mysterium“.

Bevor wir zu deinem aktuellen Buch kommen: Dein erster Roman war „Das Gedächtnis der Lüge“. Es war dein Debüt für einen Roman. Er wird sogar als Lyrisch beschrieben. Aber es ist ein sehr hartes Thema. Es geht um „Lebensborn“. Das waren Geburtshäuser für unehelich Schwangere in der Nazizeit. Wie kamst du auf dieses Thema und wie lange hast du an diesem Roman geschrieben?

REBECCA ABE:
Als Leserin interessierte mich schon immer die Zeit des Nationalsozialismus. 2001 sah ich im Fernsehen dann eine Dokumentation zu den Geburtshäusern für unehelich Schwangere, die sogenannten „Lebensborn-Heime“. Das klang erst mal sehr sozial und ich wurde neugierig. Sollte es wirklich was Positives in der Nazizeit gegeben haben? Ich machte die Frau ausfindig, die in der Dokumentation vorgestellt wurde und traf mich mit ihr. Schnell erfuhr ich, dass es um die Züchtung einer arischen Elite bei den Heimen ging und begann weiter zu recherchieren.

Parallel dazu entwickelte ich mit meinem Mann zusammen eine Geschichte und schrieb sie auf. Anfangs hatte ich großen Respekt, ob ich als Nachgeborene überhaupt über die Nazizeit schreiben durfte. Aber je mehr ich Zeitzeugen interviewte, desto mehr wurde ich bestärkt. Die Realität ist viel grotesker als es sich je ein Schriftsteller ausdenken könnte. Ich wollte das Thema aber nicht als „schwere Kost“ darstellen, sondern so wie in mein filmischen Vorbild: „Das Leben ist schön“, eben als tragikomische Familiengeschichte.
Ich habe sieben Jahre an dem Roman geschrieben, 2008 ist er erschienen.

Das Labyrinth der Fugger

In „Das Labyrinth der Fugger“ geht es lt. Amazon.de um:
Augsburg, Ende des 16. Jahrhunderts. Nach dem Tod des mächtigen Anton Fugger wird dessen Millionenvermögen gleichmäßig auf alle Nachkommen verteilt. Christoph Fugger, ein Egoist und Frauenfeind, will die Kinder seines Bruders Georg Fugger ins Kloster bringen lassen, um die Zahl der Erben zu dezimieren. Dazu verbündet er sich mit dem Jesuiten Petrus Canisius. Nur Georg Fuggers Tochter Anna ahnt, welch perfides Spiel der Augsburger Domprediger treibt ...

Hier finden Sie weitere Informationen:
Im Labyrinth der Fugger

Wie kamst du auf die Idee zu „Das Labyrinth der Fugger“?

REBECCA ABE:
Die Augsburger Kaufmannsfamilie, die Fugger, haben mich schon immer fasziniert. Allerdings wusste ich nichts über eine ihrer Töchter, Anna Jakobäa Fugger, die gegen ihren Willen zwanzig Jahre ins Kloster gesperrt wurde und sich selbst befreite. Ihre Lebensgeschichte entdeckte ich in dem Buch von Martha Schad: „Frauen des Hauses Fugger. Von da an, lies mich Annas Lebensgeschichte nicht mehr los.

Ich bin sicher, dass du für „Das Labyrinth der Fugger“ recherchieren musstest. Ist dir bei den Recherchen etwas Überraschendes, Außergewöhnliches, Witziges passiert?

REBECCA ABE:
Wie immer habe ich versucht, mit so vielen Zeitgenossen zu sprechen, wie möglich. Was aber bei einem Roman, der im 16. Jahrhundert spielt, schwer möglich ist. Aber eine Dominikanerin Sr. Margit, vom Kloster Schlehdorf hat mir sehr geholfen. Mir z. B. erklärt wie die vielen Schichten einer Nonnentracht damals hießen, und wie sie angelegt wurde. Ein besonderes Erlebnis war auch ein Besuch der Klausur, in die sie mich führte, wozu Nichtordensschwestern eigentlich keinen Eintritt haben.

Witzig fand ich, dass ich im Roman Annas Vater ein Bier brauen lasse, und erst später erfuhr, dass ein Teil des Grundstückes, auf dem Annas Elternhaus stand, heute einer großen Brauerei gehört. Das musste ich dann noch im Roman einbauen, sozusagen ein Blick in die Zukunft.

Wie gingst du an den Plot für „Das Labyrinth der Fugger“ heran, oder gar an all deine Plots? Könntest du uns ein Beispiel für deine ersten Überlegungen zur Handlung von „Das Labyrinth der Fugger“ geben?

REBECCA ABE:
Der Plot orientiert sich eng an der Biografie von Anna Jakobäa Fugger und ihres Bruders Philipp. Ich brauchte noch einen Gegenpart zur adligen, finanziell gesicherten Welt der Fugger und erfand einen Kürschner, den ich nach dem berühmten Fuggerforscher Kellenbenz nannte. Er ist für mich der Mann aus dem Volk, der die Fuggerwelt von außen beleuchtet. Außerdem musste Anna was zu tun gehabt haben, in den zwanzig Jahren Klosterzeit, darüber ist nichts überliefert, also verlieh ich ihr eine meiner Leidenschaften.

Fallen dir Dialoge, Charaktere oder szenische Darstellungen leichter, fällt dir alles gleich leicht oder anders gefragt, magst du alles gleich gerne?

REBECCA ABE:
Am schwersten fällt mir das Entwickeln des Handlungsplans, wenn der mal steht, dann geht alles andere relativ leicht. Trotzdem ist Schreiben Schwerstarbeit, die leider keine Kalorien verbraucht, das ist der Haken an der Sache.

Wie schaffst du es, dass keine losen Fäden im Buch übrig bleiben?

REBECCA ABE:
Hab ich das geschafft? Ich hoffe es. Beim Überarbeiten gehe ich alle Fäden noch mal durch, überprüfe sie und hoffe, dass mir keiner entwischt ist.

Gehst du zuerst monatelang mit der Geschichte schwanger und fängst dann zu schreiben an oder hast du alle Recherchearbeiten abgeschlossen, das Exposee ist fertig und du beginnst zu schreiben? Wie muss man sich das vorstellen?

REBECCA ABE:
Ich entwickle einen Handlungsplan, und schreibe dann eine Leseprobe, die ich meinem Agenten und dann dem Verlag zeige. Habe ich für beides das okay, schreibe ich den Roman zu Ende. Beim Schreiben überprüfe ich alle Fakten und manchmal ändert sich auch noch was am Handlungsplan, wenn eine Figur ihr Eigenleben entwickelt, sich die Geschichte im wahrsten Sinn des Wortes verdichtet.

Wie muss man sich einen Tag in deinem Leben vorstellen, wenn du an einem Roman arbeitest?

REBECCA ABE:
Ich schreibe von morgens bis abends, unterbreche für etwas Sport, einkaufen und Mittagsessen kochen, rede mit meinem Mann über die Szenen, wenn ich feststecke und hoffe, von den Figuren zu träumen, wenn ich schlafen gehe.

Wo schreibst du am liebsten?

REBECCA ABE:
In meinem Zimmer, dort stehen zwei Schreibtische und ein Schreibpult, aber auch ein Sofa, so kann ich auch äußerlich die Perspektiven wechseln.

Hörst du auch Musik beim Schreiben und wenn ja, welche, oder brauchst du absolute Stille?

REBECCA ABE:
Ich bevorzuge die Stille, in mir drin ist es unruhig genug, wenn ich schreibe. Musik höre ich in den Pausen, auch Renaissancemusik.

Wirst du von einer Agentur vertreten und falls ja, was ist für dich der Vorteil von einer Agentur vertreten zu werden?

REBECCA ABE:
Ja, ich werde von Holger Kuntze vertreten. Mein Agent kennt die Literaturmarktgepflogenheiten und nimmt mir die Vertragsverhandlungen ab. Auch kann ich ihm meine Ideen vorstellen und falle nicht gleich durch, wenn sie nicht so berauschend sind. In einem Verlag würde ich vielleicht keine zweite Chance kriegen.

An welchem Buch arbeitest du derzeit und darfst du schon ein wenig darüber verraten?

REBECCA ABE:
Ich arbeite an mehreren Projekten, einem Thriller, der in der Gegenwart spielt und einem weiteren historischen Roman.

Welchen Tipp hättest du für angehende Autoren, die einen historischen Roman veröffentlichen möchten?

REBECCA ABE:
Die Mischung aus Recherchefakten und spannender Geschichte muss stimmen. Man darf sich von den Tatsachen nicht einengen lassen, sollte aber zugleich den Hintergrund kennen. Also: Erst wissen, versuchen zu verstehen, dann loslassen.

Rebecca, vielen Dank für das Interview.

Kommenden Freitag stelle ich das Interview von Markus Stromiedel online.

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Bitte die Adresse nicht vergessen, da ich sonst das Buch nicht zusenden kann.

Beate N. und Markus K. haben die nachfolgende Frage richtig beantwortet und somit „Das Labyrinth der Fugger“ gewonnen: Wann hört Rebecca Abe Musik?

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Mitmachen lohnt sich!

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Hier lese ich aus meinem Buch “Samtene Nächte” aus der erotischen Kurzgeschichte “Erotischer Zirkel”. „Samtene Nächte“ ist bei Amazon.de in der Top 100 der Erotik-Bestseller. :-)

Link: Samtene Naechte-Erotischer Zirkel


Hier gibt es ein Video – von dem ich nicht weiß, wer das für mich gemacht hat… Alles sehr geheimnisvoll…

Wenn Sie hier klicken, dann kommen Sie zu meinen Lesungen aus "Samtene Nächte".

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